Datenträger und andere Kuriositäten

 

Ich will heute mal niemand mit Paragrafen langweilen sondern mal aus dem mehr oder wenigen prallen Leben berichten. 

 

Wir erinnern uns alle an die spaßige Idee alle Klingel-Schilder abzumontieren, die uns die österreichischen Nachbarn beschert haben. Das war natürlich feinster Unsinn. 

 

Aber, ähnliches spaßiges ist mir neulich im Ladengeschäft untergekommen, weil mir die zauberhafte Verkäuferin erklärte, dass sie sicherheitshalber niemanden mehr mit Namen ansprechen. Ich erklärte dann geduldig, dass ein gutes Gedächtnis kein Datenträger sei. Und
das "Sammeln" von Eindrücken nicht unter die automatisierte Verarbeitung fällt. Mal schauen,
ob ich das nächste mal wieder die Frau mit dem Doppelnamen sein darf.

 

Eines meiner persönlichen Highlights war der Besuch einer Arztpraxis. Das Ausfüllen des obligatorischen Anamnese-Bogens - kurz und auf das notwendigste beschränkt. Gut. Die Wartezeit - kurz. Gut. Aber - jetzt wird es lang. Es wurde mir noch ein dicker Stapel Papiere ausgehändigt, bei denen ich jeweils um eine Unterschrift gebeten wurde. Fast alles davon
war vollkommen überflüssig. 

 

Beseelt von meiner Datenschutz-Tätigkeit also zum Empfang um die Dame dort ein bisschen aufzuklären. Und siehe da, es klappte nicht. 

Hartnäckigkeit Dein Name ist Weib (ich darf das schreiben, dann ich bin ja eines und ein hartnäckiges obendrein). Ich wurde bereits aufgerufen - mit Namen immerhin - und geklärt
war noch nichts. 

 

Nachdem mich Herr Doktor unter die Lupe genommen hatte, ich entlassen war und mich
kränker als zuvor fühlte, passte mich die freundliche Dame wieder ab. Ich habe noch nicht unterschrieben. Ich also flugs mein Handy ausgepackt und ihr einige der passenden Paragrafen und einen kleinen Artikel hierzu rausgesucht. 

 

Was soll ich sagen. Ich scheiterte grandios.

 

Ein besonders schönes Argument war, dass ich ohne Einwilligung gar nicht hätte behandelt werden dürfen. Ich gab auf. Ja. Doch. Ich gab auf. Andernfalls hätte ich einen Herzspezialisten aufsuchen müssen - der zwar im gleichen Gebäude tätig war - jedoch
vermutlich eine Einweisung wegen Verdacht auf Infarkt ins nächstgelegene Krankenhaus vorgenommen hätte.
Und ich war nicht sicher, wie viele Formulare mich dort erwarten würden. 
Ermattet habe
ich also an gefühlt 15 Stellen in Windeseile meine Unterschrift auf die Papiere geworfen, 
mich auf die Waschmaschinen und Heizdecken gefreut und bin geflüchtet. 

 

Ihr Arztpraxen Europas. Es genügt, den Patienten zu informieren. Er muss nicht
unterschreiben. Man muss ihn nicht quälen. Zumindest nicht damit. 
Es geht üblicherweise "nur" um die Informationspflicht. Sprich, Sie müssen die
Patienten von der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten 

 

„in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form in einer
klaren und einfachen Sprache“ 

 

unterrichten

 

Was im erlebten Fall ja dann auch nur so halb gelungen ist.


Nur wenn Daten zum Beispiel an eine private Verrechnungsstelle weitergeleitet werden, 

ist die Einwilligung (genau - die dann mit Unterschrift) des Patienten notwendig. 

 

Also - manchmal sind die Dinge gar nicht so kompliziert wie sie uns an manchen Stellen 

begegnen.